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Ich bin "eine Flöte durch deren Herz sich das Flüstern der Stunden in Musik verwandelt." Khalil Gibran

Monday, October 01, 2012

Das tapfere Schneiderlein und die Freude an der Arbeit



Ich liebe Montage! Sie sind für mich das Zeichen eines neuen Anfangs. Und ich liebe den Oktober, weil er sich so wunderbar darauf versteht, alles in Gold zu verwandeln...

Heute lerne ich von dem tapferen Schneiderlein. Ich lerne von einem, der ein königliches Herz und ein königliches Gemüt hat, was sich letzendlich auch bestätigt, denn mit diesen Worten endet das Märchen: „Also war und blieb das Schneiderlein sein Lebtag König.“

"An einem Sommermorgen saß ein Schneiderlein auf seinemTisch am Fenster,war guter Dinge und nähte aus Leibeskräften."

Frühmorgens an die Arbeit gehn und das eigene Handwerk tun, es aus Leibeskräften, von ganzem Herzen tun und dabei guter Dinge sein. Das ist das Geheimnis des Glücks. Welch ein Unterschied zu der Bauersfrau, die zwar auch ihr Handwerk tut, aber in ihrer Unzufriedenheit ärgerlich und brummig fortgeht, ohne daran zu denken, dass sie eigentlich etwas von ihrer Ware verkauft hatte und daran verdient hatte. Viel oder wenig, das ist relativ.

Noch zwei weitere Beobachtungen, die mir zur Zeit sehr am Herzen liegen, da ich gerade dabei bin, meine Berufung und mein Handwerk besser zu verstehen, sowie auch meine Rolle inmitten der Gemeinschaft in der ich lebe.
Wenn ein anderer etwas zu verkaufen hat, klingt das dem Schneiderlein lieblich in den Ohren. Er freut sich darüber. Egal wie viel oder wie wenig er sich leisten kann, er kauft mit Freuden, und und gönnt der Verkäuferin ihren Gewinn: »Hier herauf, liebe Frau, hier wird sie ihre Ware los.«
Er prüft die Ware und wertschätzt sie und schämt sich nicht dafür, dass er nur wenig kaufen kann. Warum auch? Er kauft genauso viel wie viel er sich leisten kann und wie viel er gerade braucht. Das Zeichen eines ganz gesunden und ausgeglichenen Selbstvertrauens.

»Nun, das Mus soll mir Gott gesegnen, «rief das Schneiderlein,»und soll mir Kraft und Stärke geben«.

Sich dessen erfreuen, was man grade hat, Gott um den Segen zu bitten, im Vertrauen, dass es einem Kraft und Stärke gibt. Kein einziger Gedanke darüber, ob das Mus zuviel Zucker enthält, ob die zerkochten Pflaumen noch irgendeinen Nährwert haben. Keine Zweifel über das was grade da ist. Reinste Lebensfreude, Zufriedenheit und Dankbarkeit.

»Das wird nicht bitter schmecken,« sprach er, »aber erst will ich den Wams fertig machen, eh ich anbeiße.«
 
Er muss es nicht tun, denn er ist sein eigener Herr, also selbstständig, so wie ich, aber er will es so. Und die Vorfreude auf die Belohnung beflügelt seine Arbeit.

Noch ein Gedanke zum Kaufen und Verkaufen. Ein königliches Herz sieht immer den Vorteil, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen. Ein königliches Herz gönnt jedem seinen Erfolg und beteiligt sich gerne am Kaufen und Verkaufen, am Geben und Empfangen, weil es weiß, dass alles frei fließen muss.

Kein Wunder, dass er guter Dinge ist. Er lächelt dem Leben zu, so lächelt es zurück.

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