Die Welt ist überflutet von Geld. Es gibt keinen Mangel an irgendetwas.
Also gut, ich glaube das. Ich glaube es mit meinem Verstand.
Ich werfe meine Haube über den Zaun, dann muss ich gehen und sie holen.
Wenn es keinen Mangel gibt, warum sehe und erfahre ich Mangel?
Wenn es keinen Mangel gibt, aber ich selbst Mangel erfahre, dann heißt es, dass ich diesen Mangel selbst erschaffe.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Welt von Geld überflutet ist, und dass nur ich den Mangel erfahre.
Es ist für mich nicht schwer, das zu glauben.
Dieses ist ein sehr vertrautes Gefühl - alle können es, nur ich nicht.
Aber
auch das Gegenteil davon ist mir vertraut - es gibt Dinge, die ich gut
kann, die ich ganz leicht und meisterhaft vollbringe.
Warum sind die Unterschiede so krass?
Wäre es nicht herrlich, wenn mir alles sofort bestens gelingen würde?
Ich
kann mich erinnern, wie in der Kindheit ein Mädchen zu mir gesagt hat,
ich würde immer mehr wollen. Jahrelang, jahrzehnte lang habe ich mich
dafür sehr geschämt.
Und es ist schon mehr als einmal vorgekommen, dass Menschen die ich liebte, mir das vorgeworfen haben.
Dabei wusste ich immer in meinem Herzen, woher dieses "mehr" kommt und was es bedeutet.
Es
war ein gutes "mehr", eigentlich eine Pforte zum Verzauberten Reich in
dem alle Wünsche in Erfüllung gehen. Doch damals war ich nicht imstande,
mein "mehr" zu verteidigen, nicht einmal in meinem Inneren.
Hat damals vielleicht dieser innere Krieg angefangen? Habe ich damals gelernt, Mangel zu erschaffen?
Erst
als ich bei Abraham gehört habe, dass "Mehr" das Mantra des Universum
ist, haben die inneren Kämpfe aufgehört. Ich habe mich zum ersten Mal
in meinem Leben verstanden gefühlt. Und geliebt.
Bedingungslos geliebt.
Mein König, der mich bedingungslos liebt sagt zu mir:
"Du machst alles sehr gut, Allerleirauh.
Du kannst sowohl Überfluss als auch Mangel erschaffen, beides kannst du meistervoll tun.
Du mußt noch lernen, selbst zu wählen, was es ist, das du erschaffen möchtest.
Doch
um frei wählen zu können, mußt du aufhören, dich dafür zu schämen, zu
verurteilen und zu bestrafen, wenn du Mangel erschaffst.
Du musst
lernen, dir selbst auf die Schulter zu klopfen und stolz auf dich zu
sein. Erkenne die Vollkommenheit deiner Schöpfung, dann bist du frei,
etwas neues zu wählen."
Hui... das hat sich gut angefühlt! Ich bin wieder in meinem Märchen und es geht mir gut!!!
Obwohl sie wusste, dass sie jederzeit willkommen war, fühlte sie sich
eingeschüchtert. Sie betrat den prunkvollen Saal mit ganz kleinen
Schritten und traute sich allmählich bis vor den riesigen Thron auf dem
die Königin saß. Sie konnte sich wieder einmal nicht entscheiden, was es
war, das sie so sehr beeindruckte, war es die unsagbare Schönheit oder
die unbeschreibliche Güte der Königin? Sie fühlte ihr Herz wie wild
klopfen und traute sich kaum aufzuschauen.
„Liebes, komm doch näher
und schau mich doch an! Ich weiß, was Dich hierher bringt, ich kenne
Deinen Herzenswunsch. Du weißt ganz genau wo Du hin willst, doch Du
kennst den Weg nicht.“
„So ist es“, flüsterte sie. „Ich glaube, ich habe schon alles versucht. Doch bis jetzt habe ich gar nichts erreicht.“
„Eigentlich
stimmt das nicht ganz“, antwortete die Königin und blickte sie so
liebevoll an, dass sie fühlte, wie sie zusammenschmolz. „Du hast schon
sehr viel erreicht. Das meiste hast Du schon erreicht, der Rest wird
sich dann zur rechten Zeit offenbaren.“
„Was soll ich tun?“ fragte Allerleirauh.
„Genau
das was du jetzt schon tust. Du musst schreiben. Und du musst dich
darin üben, auf diese Weise zu leben. Du hast dir eine außergewöhnlich
schwere und schöne Aufgabe ausgesucht. Du kannst aber nicht erwarten,
sie auf Menschenart zu lösen. Darum musst du lernen zu vertrauen und die
Helfer ihre Arbeit tun lassen.“
„Was ist es, das ich loslassen muss?“
„Du
musst aufhören, dich zu sorgen. Du musst aufhören, alles im Voraus
wissen zu wollen. Der Weg wird erst unter deinen Schritten entstehen.
„Was ist mein nächster Schritt?“
„Mach
dich für den Aufbruch bereit. Und nun, meine Teure, lass dich von mir
umarmen. Du machst alles schon sehr gut. Ich bin sehr stolz auf dich.
Und komm mich bald wieder besuchen.“
Soviel Liebe konnte Allerleirauh
kaum ertragen. Taumelnd vor Glück verließ sie den königlichen Saal. Sie
fühlte sich so klein und gleichzeitig so groß. Wie sehr liebte sie ihr
Leben und ihr Märchen!